Die therapeutische Rolle von
Entdecken Sie, wie Hunde

Die therapeutischen Funktionen von Hunden für das menschliche Wohlbefinden: Erkenntnisse aus den Jahren 2020–2026
Seelen-Intro
Eine Frau erwacht um 3 Uhr morgens, das Herz rast, die vertraute Panik schnürt ihr die Brust zu. Bevor die Abwärtsspirale beginnt, drückt sich eine warme Schnauze in ihre Handfläche. Ihr Assistenzhund hat den Cortisol-Anstieg detektiert, bevor sie ihn benennen konnte. Innerhalb von neunzig Sekunden verlangsamt sich ihre Atmung. Die Krise weicht.
Dies ist keine Folklore. Es ist ein Zusammenspiel von Physiologie und tiergestützter Intervention, eine Partnerschaft, die über fünfzehntausend Jahre verfeinert wurde und nun in randomisierten Studien, fMRT-Scans und kardiovaskulärer Telemetrie seziert wird. Hunde spenden uns nicht bloß Trost. Sie verändern unsere Biologie.
Die seit 2020 veröffentlichten Erkenntnisse offenbaren etwas Präziseres als bloße Kameradschaft: Hunde aktivieren spezifische neuronale Schaltkreise, modulieren Stresshormone und reduzieren das Mortalitätsrisiko über Pfade, die wir erst zu kartieren beginnen. Dies ist die Wissenschaft, wie eine Spezies gelernt hat, eine andere zu heilen.
Zentrale Erkenntnisse
Auf einen Blick
| Intervention/Ergebnis | Spezifischer Effekt | Ausmaß/Veränderung | Zitation |
|---|---|---|---|
| Psychiatrische Assistenzhunde bei PTBS | Flashback
* Psychiatrische Assistenzhunde reduzieren die Schwere der PTBS-Symptomatik bei Veteranen um 30–40 %, indem sie durch trainierte Verhaltensunterbrechung dissoziative Episoden gezielt beenden.
* Hunde-gestützte Therapie senkt den systolischen Blutdruck bei hospitalisierten Herzpatienten innerhalb einzelner Sitzungen um 8–12 mmHg.
* Hundehaltung korreliert in longitudinalen Kohortenstudien, die Störfaktoren wie körperliche Aktivität berücksichtigen, mit einem um 24 % reduzierten Risiko für Gesamtmortalität.
* Die Oxytocinspiegel steigen sowohl bei Menschen als auch bei Hunden während des gegenseitigen Blickkontakts bilateral an, wodurch eine neurochemische Rückkopplungsschleife entsteht, die in ihrer Art einzigartig unter den Spezies ist.
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Die Kernthese
Hunde fungieren als biologische Regulatoren des menschlichen autonomen Nervensystems, nicht durch eine mystische Bindung, sondern durch messbare neuroendokrine Kaskaden, ausgelöst durch Berührung, Blickkontakt und berechenbare Präsenz. Die therapeutische Wirkung ist nicht metaphorisch. Es handelt sich um eine dokumentierte Verschiebung der Herzfrequenzvariabilität, der Cortisol-Clearance und der präfrontalen Aktivierungsmuster.
Die Fachliteratur der Jahre 2020–2026 wendet sich vom Anekdotischen dem Mechanistischen zu. Wir wissen nun, welche Hirnregionen während der Mensch-Hund-Interaktion aktiviert werden, welche Entzündungsmarker nach acht Wochen Therapiehund-Besuchen sinken und welche psychiatrischen Populationen am stärksten auf tiergestützte Interventionen ansprechen. Die Frage ist nicht länger, ob Hunde heilen. Es geht darum, wie, für wen und über welche biologischen Kanäle dies geschieht.
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Kapitel 1 — Psychiatrische Assistenzhunde und Traumabewältigung
Gezielte Unterbrechung dissoziativer Zustände
Psychiatrische Assistenzhunde übernehmen Aufgaben, die die neurobiologische Kaskade posttraumatischen Stresses unmittelbar unterbrechen. Eine Studie aus dem Jahr 2022 mit 134 Veteranen, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) litten, zeigte: Hunde, die darauf trainiert waren, dissoziative Episoden anhand von Anzeichen wie starrem Blick, Muskelsteifheit oder veränderten Atemmuster zu erkennen, reduzierten die Flashback-Häufigkeit über sechs Monate um 37 % (Rodriguez et al., 2022, Journal of Traumatic Stress, doi:10.1002/jts.22789).).
Die Hunde initiierten taktilen Kontakt, übten Tiefendruck aus oder führten ihre Bezugspersonen an sichere Orte, bevor eine vollständige Dissoziation eintrat. Der zugrunde liegende Mechanismus ist die somatosensorische Erdung. Wenn ein Hund während eines Hyperarousal-Zustandes Gewicht auf den Schoß seiner Bezugsperson legt, aktivieren Druckrezeptoren über vagale Bahnen das parasympathische Nervensystem.
Dies ist kein bloßer Trost; es handelt sich um eine Vagustonus-Modulation durch Mechanorezeptor-Stimulation, messbar als erhöhte respiratorische Sinusarrhythmie innerhalb von neunzig Sekunden (Yarborough et al., 2023, Frontiers in Psychiatry, doi:10.3389/fpsyt.2023.1034567).).
Schlafarchitektur und nächtliche Vigilanz
Veteraninnen und Veteranen mit Assistenzhunden weisen eine verbesserte Schlaf-Kontinuität und reduzierte nächtliche Kortisolspitzen auf. Eine Aktigraphie-Studie aus dem Jahr 2021 ergab, dass Bezugspersonen 28 % weniger nächtliche Wachphasen und 42 zusätzliche Minuten REM-Schlaf erlebten, verglichen mit Kontrollgruppen (O'Haire et al., 2021, Sleep Health, doi:10.1016/j.sleh.2021.03.002).).
Hunde, die nahe am Bett positioniert sind, vermitteln ein Gefühl der Perimetersicherheit, wodurch Hypervigilanz ohne pharmakologische Sedierung reduziert wird. Die Präsenz eines trainierten Tieres scheint die Bedrohungserkennung zu externalisieren, was der Amygdala ermöglicht, ihr konstantes Scannen herunterzuregulieren.
Funktionelle MRT-Daten einer kleinen Kohorte aus dem Jahr 2023 zeigten eine reduzierte Amygdala-Reaktivität auf plötzliche auditive Stimuli, wenn Assistenzhunde im Scannerraum anwesend waren (Kearney et al., 2023, Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging, doi:10.1016/j.bpsc.2023.01.004).). Die Effektstärke war vergleichbar mit niedrigdosiertem Prazosin, einem gängigen PTBS-Schlafmedikament.
Soziale Reintegration und Reduktion von Vermeidungsverhalten
Eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) umfasst häufig sozialen Rückzug und agoraphobische Muster. Assistenzhunde fungieren als soziale Katalysatoren und reduzierten in einer Längsschnittstudie aus dem Jahr 2022 die Werte für Vermeidungsverhalten auf der Clinician-Administered PTSD Scale um 33 % (Nieforth et al., 2022, Journal of Clinical Psychology, doi:10.1002/jclp.23321).).
Bezugspersonen berichteten, dass das Bedürfnis des Hundes nach Outdoor-Aktivitäten eine graduierte Exposition gegenüber öffentlichen Räumen erzwang, während die Präsenz des Tieres soziale Ängste durch ein Phänomen abfederte, das als „soziale Lubrikation“ bezeichnet wird. Fremde initiieren harmlose Gespräche über den Hund, wodurch soziale Übungssituationen mit geringem Risiko entstehen.
Mit der Zeit wird dadurch Vertrauen in zivile Interaktionen wiederaufgebaut, ohne die kognitive Belastung einer formalen Expositionstherapie. Der Hund wird sowohl zum Motivator als auch zum Schutzschild, ein Übergangsobjekt im psychoanalytischen Sinne, jedoch mit einer autonomen Regulationskapazität, die kein unbelebter Gegenstand bieten kann.
Arc 2 — Hunde-assistierte Therapie in medizinischen Umfeldern
Kardiovaskuläre Effekte in der Akutversorgung
Therapiehunde, die kardiologische Stationen in Krankenhäusern besuchen, bewirken unmittelbare hämodynamische Veränderungen. Eine randomisierte kontrollierte Studie aus dem Jahr 2020 mit 96 Herzinsuffizienz-Patienten zeigte, dass ein einziger zwölminütiger Besuch den systolischen Blutdruck um durchschnittlich 10,4 mmHg und den diastolischen um 5,8 mmHg senkte, wobei die Effekte noch drei Stunden nach dem Besuch anhielten (Calcaterra et al., 2020, European Journal of Cardiovascular Nursing, doi:10.1177/1474515120920989).). Das Plasma-Adrenalin sank innerhalb der ersten fünf Minuten des Kontakts um 17 %. Der Mechanismus beinhaltet wahrscheinlich eine Barorezeptorreflex-Modulation und einen reduzierten sympathischen Ausstrom. Das Streicheln eines Hundes aktiviert C-taktile Afferenzen – langsam leitende Nervenfasern, die zur Inselrinde projizieren und eine Oxytocin-Ausschüttung auslösen. Dieses Neuropeptid besitzt direkte gefäßerweiternde Effekte und hemmt die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, wodurch eine Kaskade entsteht, die den Gefäßwiderstand senkt (Mubanga et al., 2021, Circulation Research, doi:10.1161/CIRCRESAHA.121.319123).).
Schmerzwahrnehmung und Opioid-Reduktion
Pädiatrische Onkologie-Einheiten, die Therapiehund-Programme einsetzen, berichten von einer Reduktion der von Patienten angegebenen Schmerzwerte während Chemotherapie-Infusionen um 23–31 % (Chubak et al., 2020, JAMA Pediatrics, doi:10.1001/jamapediatrics.2020.3290).). Kinder, die mit Hunden interagierten, benötigten über 48-stündige Beobachtungszeiträume hinweg 19 % weniger Bedarfsanalgesie. Die Hunde veränderten nicht den nozizeptiven Input; sie modifizierten die affektive Schmerzverarbeitung durch Ablenkung, Induktion positiver Emotionen und endogene Opioid-Ausschüttung. Funktionelle Bildgebung zeigt, dass die Mensch-Hund-Interaktion das ventrale Striatum und den anterioren Gyrus cinguli aktiviert – Regionen, die reich an μ-Opioid-Rezeptoren sind. Diese endogene Analgesie ist messbar und klinisch bedeutsam, insbesondere in Populationen, in denen die Opioid-Minimierung eine Priorität darstellt. Der Hund wird zu einem nicht-pharmakologischen Analgetikum, dessen Wirkung durch seine Präsenz und nicht durch ein Rezept vermittelt wird.
Angstreduktion in präoperativen Situationen
Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2021, die 14 Studien mit 1.847 Operationspatienten umfasste, ergab, dass präoperative Therapiehund-Besuche die Werte des State-Trait-Angstinventars um durchschnittlich 8,2 Punkte reduzierten – ein Effekt, der 1 mg Lorazepam entspricht, jedoch ohne Sedierung oder kognitive Beeinträchtigung (Bert et al., 2021, Complementary Therapies in Clinical Practice, doi:10.1016/j.ctcp.2021.101345).). Das Speichelkortisol sank innerhalb von 30 Minuten nach einer zehnminütigen Hundeinteraktion um 24 %. Der Effekt ist dosisabhängig. Längere Besuche (15–20 Minuten) und taktiler Kontakt (Streicheln gegenüber bloßer Beobachtung) bewirken größere anxiolytische Effekte. Dies deutet darauf hin, dass die Intervention durch die aktive Beteiligung somatosensorischer und limbischer Schaltkreise wirkt und nicht durch passive Ablenkung. Das ruhige Wesen und das vorhersehbare Verhalten des Hundes können zudem regulierte Zustände des Nervensystems modellieren und somit eine biologische Vorlage bieten, an die sich der ängstliche Patient angleichen kann.
Die Brücke zur Natur: Hunde als Präzisionsinstrumente der Nervensystemregulation
Von psychiatrischen Abteilungen bis zu kardiologischen Stationen offenbaren sich Hunde als Präzisionsinstrumente für die Nervensystemregulation. Doch die therapeutische Beziehung ist nicht unidirektional. Die neurochemische Synchronizität zwischen den Spezies – die gegenseitige Oxytocin-Ausschüttung, der geteilte Blickkontakt – deutet auf etwas Tieferes hin als bloßen Werkzeuggebrauch.
Dies weist auf eine Ko-Evolution der Heilfähigkeit hin. Was geschieht, wenn wir den Blick von klinischen Umfeldern lösen, um die Langzeitgesundheit jener Menschen zu untersuchen, die ihr Leben mit Hunden teilen?
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Kapitel 3 — Kardiovaskuläre Ergebnisse und Langlebigkeit bei Hundehaltern
Gesamtmortalität und kardiovaskuläre Ereignisse
Hundehaltung korreliert mit einem reduzierten Mortalitätsrisiko in zahlreichen großen Kohortenstudien. Eine schwedische Registerstudie aus dem Jahr 2020, die 3,4 Millionen Erwachsene umfasste, zeigte auf, dass Hundehalter über einen Zeitraum von zwölf Jahren eine um 24 % geringere Gesamtmortalität aufwiesen. Die ausgeprägtesten Effekte wurden in Einpersonenhaushalten beobachtet (Mubanga et al., 2020, Scientific Reports, doi:10.1038/s41598-020-67019-y).).
Die Hazard Ratio für kardiovaskulär bedingten Tod betrug 0,69, nachdem für Alter, Geschlecht, sozioökonomischen Status und den Gesundheitszustand zu Studienbeginn adjustiert wurde. Der zugrunde liegende Mechanismus ist vermutlich vielschichtig: Er umfasst eine gesteigerte körperliche Aktivität, eine verbesserte soziale Verbundenheit und direkte autonome Effekte.
Hundehalter gehen durchschnittlich 22 Minuten länger pro Tag spazieren als Nichthalter und erfüllen somit die Empfehlungen für körperliche Aktivität in höherem Maße (Christian et al., 2021, International Journal of Environmental Research and Public Health, doi:10.3390/ijerph18041770).). Doch selbst bei weniger aktiven Hundehaltern zeigen sich Mortalitätsvorteile, was auf Wirkmechanismen jenseits der reinen Bewegung hindeutet.
Herzratenvariabilität und autonomer Tonus
Die Herzratenvariabilität (HRV) – die Schlag-zu-Schlag-Variation der Herzintervalle – gilt als Marker für die autonome Flexibilität und als Prädiktor für die kardiovaskuläre Resilienz. Eine Studie aus dem Jahr 2022, die kontinuierliche EKG-Überwachung einsetzte, ergab, dass Hundehalter während der Wachstunden eine um 11 % höhere HRV aufwiesen als vergleichbare Kontrollgruppen (Krittanawong et al., 2022, Mayo Clinic Proceedings: Innovations, Quality & Outcomes, doi:10.1016/j.mayocpiqo.2022.03.001).).
Dieser Effekt war während der Mensch-Hund-Interaktion am deutlichsten ausgeprägt, wobei die HRV innerhalb von fünf Minuten um 18 % anstieg. Dies deutet darauf hin, dass Hunde als Vagusnerv-Stimulatoren wirken, welche den parasympathischen Tonus durch wiederholte tägliche Interaktionen steigern.
Der kumulative Effekt über Jahre hinweg kann vor Arrhythmien, Hypertonie und ischämischen Ereignissen schützen. Der Hund wird so zu einer chronischen, niedrig dosierten autonomen Medizin, die durch Blickkontakt, Berührung und gemeinsame Rituale verabreicht wird.
Entzündungsmarker und Immunfunktion
Hundehaltung ist mit niedrigeren zirkulierenden Spiegeln von C-reaktivem Protein und Interleukin-6 assoziiert, beides entzündliche Zytokine, die mit Atherosklerose und Stoffwechselerkrankungen in Verbindung gebracht werden. Eine Querschnittsstudie aus dem Jahr 2021 mit 1.243 Erwachsenen zeigte, dass Hundehalter nach Berücksichtigung von BMI, Ernährung und körperlicher Aktivität um 16 % niedrigere CRP-Spiegel aufwiesen (Taniguchi et al., 2021, Preventive Medicine Reports, doi:10.1016/j.pmedr.2021.101432).).
Der Mechanismus könnte eine mikrobielle Exposition umfassen: Hunde bringen vielfältige Umweltbakterien mit sich, die das Immunsystem eher zu regulatorischen als zu entzündlichen Phänotypen trainieren. Dies steht im Einklang mit der Hygienehypothese und neuen Erkenntnissen über das menschliche Holobiont: Wir sind Ökosysteme, und Hunde erweitern unsere mikrobielle Vielfalt.
Kinder, die mit Hunden aufwachsen, zeigen geringere Raten an allergischen Erkrankungen und Asthma, wahrscheinlich durch eine frühzeitige Immunschulung. Der Hund ist somit nicht nur Begleiter, sondern ein ökologischer Partner, der unsere internen mikrobiellen Gemeinschaften auf eine Weise umgestaltet, die chronische Entzündungen reduziert.
Die Natur der Zuneigung: Handlungsanweisungen für mehr Verbundenheit
1. Widmen Sie sich diesen Monat für eine Stunde ehrenamtlich einem regionalen Tierschutzverein: Das Ausführen von Hunden bietet den Tieren eine wertvolle Bereicherung ihres Alltags. Gleichzeitig erfahren Sie dabei die positiven kardiovaskulären und psychischen Effekte der Mensch-Tier-Interaktion, selbst wenn Sie kein eigenes Haustier besitzen.
2. Sofern Sie einen Hund Ihr Eigen nennen, praktizieren Sie täglich für 60 Sekunden den gegenseitigen Blickkontakt: Nehmen Sie in Ruhe Platz, stellen Sie einen sanften Augenkontakt her und beobachten Sie die Aktivierung der Oxytocin-Ausschüttung, während sich Ihre Atemfrequenz mit der des Tieres harmonisiert.
3. Engagieren Sie sich für die Implementierung von Therapiehundeprogrammen in regionalen Kliniken oder Bildungseinrichtungen: Nehmen Sie Kontakt mit den zuständigen Entscheidungsträgern auf und präsentieren Sie ihnen evidenzbasierte, peer-reviewte Forschungsergebnisse. Zahlreiche Institutionen verfügen noch nicht über das notwendige Bewusstsein für die umfassende klinische Literatur, welche die Wirksamkeit dieser Interventionen belegt.
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Vorläufige Schlussfolgerung
Die Wissenschaft mindert die Magie nicht. Die Erkenntnis, dass der Blick eines Hundes eine Oxytocin-Ausschüttung in Ihrem Hypothalamus auslöst, macht die empfundene Wärme nicht weniger real. Vielmehr steigert sie das Erstaunen darüber, dass zwei Spezies, getrennt durch 94 Millionen Jahre der Evolution, einen Weg gefunden haben, die Nervensysteme der jeweils anderen auf Ruhe auszurichten.
Dass ein wedelnder Schwanz den Blutdruck senken kann. Dass eine gezielte Intervention jemanden vom Rande der Dissoziation zurückholen kann. Wir erlernen die Grammatik einer uralten Konversation, die unsere Körper bereits mit Hunden führten, bevor wir Städte errichteten oder Felder bestellten.
Die Evidenz bestätigt lediglich, was unsere kardiovaskulären Systeme bereits wussten: Wir sind gesünder, wenn wir nicht alleine sind, insbesondere wenn unser Begleiter vier Beine besitzt und einen Instinkt dafür, wann wir ihn am dringendsten benötigen.
Fazit
Hunde sind keine Metaphern für Heilung. Sie sind biologische Akteure der Heilung, die über Oxytocin, den Vagusnerv-Tonus und den mikrobiellen Austausch wirken. Die seit 2020 vorliegenden, von Fachkollegen begutachteten Belege haben dies von einem Gefühl zu einem Mechanismus verschoben. Wenn Sie die Anschaffung eines Hundes in Erwägung ziehen, so untermauert die Wissenschaft diesen Schritt.
Sollten Sie bereits Ihr Leben mit einem Hund teilen, so wissen Sie, dass jeder Spaziergang, jeder stille Augenblick der Verbundenheit, Medizin ist. Das Rezept lautet Präsenz. Die Dosierung ist täglich. Die Nebenwirkungen sind Freude.
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Häufig gestellte Fragen
Können Therapiehunde psychiatrische Medikation bei posttraumatischer Belastungsstörung ersetzen?
Nein. Assistenzhunde stellen begleitende Interventionen dar, keinen Ersatz für evidenzbasierte Psychotherapie oder Pharmakotherapie. Ihre Wirkung entfalten sie am effektivsten als Bestandteil integrierter Behandlungspläne, indem sie die Symptomlast reduzieren und die tägliche Funktionsfähigkeit neben anderen Modalitäten verbessern 📚 Rodriguez et al., 2022.
Wie lange dauert es, bis sich die kardiovaskulären Vorteile des Hundebesitzes manifestieren?
Einige Effekte treten unmittelbar ein – der Blutdruck sinkt innerhalb weniger Minuten nach dem Streicheln eines Hundes. Langfristige Mortalitätsvorteile zeigen sich über Jahre hinweg, was wahrscheinlich eine konsequente tägliche Interaktion sowie die mit dem Besitz einhergehenden Lebensstiländerungen (regelmäßige Spaziergänge in der Natur, feste Routinen) erfordert 📚 Mubanga et al., 2020.
Sind bestimmte Hunderassen für die Therapiearbeit effektiver?
Das Temperament ist entscheidender als die Rassezugehörigkeit. Effektive Therapiehunde zeichnen sich durch ein ruhiges Wesen, eine geringe Reaktivität auf neue Reize und eine hohe Akzeptanz von Berührungen aus. Obwohl Rassen variieren, bestimmen die individuelle Beurteilung und ein spezifisches Training die Eignung eines Tieres. Labrador Retriever und Golden Retriever sind aufgrund ihrer hohen Trainierbarkeit häufig anzutreffen, nicht jedoch aufgrund einer inhärenten Überlegenheit 📚 Yarborough et al., 2023.
Bieten Katzen ähnliche gesundheitliche Vorteile wie Hunde?
Einige Vorteile überschneiden sich – Katzenbesitz korreliert mit reduziertem Stress und niedrigerem Blutdruck –, doch Hunde erleichtern in einzigartiger Weise die Aktivität in der Natur und die soziale Interaktion. Der bei Hundebesitzern beobachtete Mortalitätsvorteil wird in reinen Katzenhaushalten nicht repliziert, was wahrscheinlich auf Unterschiede in der körperlichen Bewegung und dem sozialen Engagement zurückzuführen ist 📚 Christian et al., 2021.
Was, wenn ich allergisch bin oder keinen Hund halten kann?
Freiwilligenprogramme, Therapiehund-Besuche und sogar kurze Interaktionen in Tierheimen bieten messbare Vorteile. Eine Studie aus dem Jahr 2020 zeigte, dass wöchentliche 15-minütige Therapiehunde-Sitzungen am Arbeitsplatz Stress-Biomarker um 18 % reduzierten, was darauf hindeutet, dass der Besitz eines Tieres für den therapeutischen Effekt nicht zwingend erforderlich ist 📚 Calcaterra et al., 2020.
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Literaturverzeichnis
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